Aufgedeckt: Messie-Züchterin verkauft seit Jahren Hundewelpen

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Uns von PETA Deutschland erreichte eine Meldung zu einer Messie-Hundehaltung in Ulmet (Kreis Kusel) . Die Whistleblowerin hatte bei der Verkäuferin im vergangenen Dezember eine Französische Bulldogge gekauft, die nachweislich illegal aus dem Ausland nach Deutschland gebracht worden war.

Wir sind den Hinweisen gemeinsam mit einem Team der Fernsehsendung Hundkatzemaus von VOX nachgegangen und haben uns vor Ort als Kaufinteressent:innen für einen der angebotenen Vierbeiner ausgegeben. Dort entdeckten wir unglaubliche Zustände.

Tierhandel mit Hunden. Banner

Whistleblowerin meldet: „Hunde leben im absoluten Dreck

Die aufmerksame Tierfreundin kaufte selbst noch im Dezember aus Mitleid eine der Französischen Bulldoggen bei der Züchterin. Die Umstände seien alles andere als artgerecht, schilderte sie uns.

„Vor Ort habe ich die pure Hölle vorgefunden, den Kleinen dann aus Mitleid jedoch mitgenommen, ich konnte es nicht übers Herz bringen, ihn dort zu lassen. Zum Zeitpunkt, als ich dort war, lebten ca. 20 Hunde dort im absoluten Dreck. Es war eine Mischung aus Baustelle und Müllhalde. Überall lag Dreck herum, Nägel, Sägeblätter etc. Im Haus drin war ein fürchterlicher Gestank nach Kot und Urin, die Hunde waren alle ungepflegt, hatten fettiges, schuppiges Fell und einen extremst trüben Blick. So wie es aussieht, bekommen die Hunde weder regelmäßige Gassigänge noch artgerechtes Futter. Die Hunde waren alle extrem aufgebläht, scheinbar Wurmbäuche.“

Whistleblowerin an PETA Deutschland e.V.

Die Whistleblowerin ließ eigenen Angaben zufolge den Welpen am nächsten Tag in einer Tierklinik untersuchen. Die Ärzt:innen stellten einen extremen Befall mit Giardien, Würmern und Parasiten fest. Der Impfpass des Hundes war offenbar gefälscht.

Unsere Recherche vor Ort bestätigte die Missstände

Begleitet von einem Team von Hundkatzemaus haben wir uns als Kaufinteressent:innen für einen zu diesem Zeitpunkt angebotenen Beaglewelpen ausgegeben.* Die Züchterin verkauft regelmäßig Hunde über Internetportale wie Quoka.

Vor Ort fanden wir ähnliche Zustände wie in der Meldung beschrieben und entdeckten die scheinbar völlig aus der Kontrolle geratene Messiezucht der Tierhalterin. Überall lag Müll und Unrat herum, die ganze Wohnung roch nach Urin und die Hunde zeigten auffälliges Verhalten. Der Umgang der Tierhalterin mit den Hunden war ruppig. Immer wieder schrie sie die Hunde an, zog ihnen am Halsband, an den Ohren, schüttete kaltes Wasser auf die Tiere und schlug mit einem Holzbalken auf die Vierbeiner.

Veterinäramt und Polizei wurden kontaktiert

Die angebotenen Welpen litten an massivem Durchfall und einer unbehandelten, seit zwei Wochen andauernden Infektion der Atemwege, die die Hundezüchterin unsachgemäß und nicht ausreichend medizinisch behandelte. Wir reagierten sofort – das Veterinäramt Kusel wurde umgehend informiert und um Hilfe gebeten, doch konnte an diesem Tag nicht eingreifen.

Da der Zustand der Welpen so schlecht war, kam Unterstützung durch die Polizei hinzu und die Tierverkäuferin erhielt die Auflage, noch am selben Tag die Welpen einem Tierarztpraxis vorzustellen. So konnten wir sichergehen, dass die Welpen zumindest an diesem Tag eine medizinische Versorgung erhalten.

„Die Tierhaltung und der Gesundheitszustand der sogenannten Vermehrerhündinnen und ihrer Kinder sind katastrophal. Die Halterin ist mit ihrer Lebenssituation völlig überfordert und versucht, mit der illegalen Zucht von Hunden ihr Leben zu finanzieren. Einmal mehr zeigt dieser Fall, dass der ‚gute Züchter von nebenan‘ ein Mythos ist. Kein Mensch, der sich einen Hund bei Züchter:innen kauft, kann erahnen, unter welchen Bedingungen die Vierbeiner auch hier in Deutschland gezüchtet und gehalten werden. Durch den Kauf bei skrupellosen Vermehrer:innen wird das Tierleid noch weiter gefördert. Wir appellieren an alle Tierfreund:innen, einem Hund aus dem Tierheim ein Zuhause zu geben.“

Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA

PETA erstattet Strafanzeige gegen die Tierhändlerin

Wir von PETA Deutschland erstatten aufgrund der vorherrschenden Zustände und der illegalen Vermehrung der Hunde Strafanzeige und fordern die Beschlagnahmung der Hunde aus der Haltung und ebenso ein Tierhalteverbot für die überforderte Hundehalterin.

Mittlerweile soll laut unseren Informationen das Veterinäramt Kusel Auflagen und eine Abgabe mehrerer Hunde angeordnet haben. Auch die Finanzbehörden haben ihre Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen, denn die Verkäuferin handelt mit mehr Hunden als gesetzlich erlaubt ist. Dies ist kein Einzelfall, immer wieder deckt PETA die kriminellen Machenschaften auch von Züchter:innen hierzulande auf.

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Dem Hund der Whistleblowerin geht es nach wochenlanger medizinischer Versorgung nun endlich besser. Die Kosten für die Versorgung des kleinen „Balu“ belaufen sich dennoch auf mehrere tausend Euro.

Einmal mehr zeigt dieser Fall, dass der „gute Züchter von nebenan“ ein Mythos ist.

Was tun gegen illegalen Welpenhandel?

  • Bitte kaufen Sie nie ein Tier über eine Anzeige im Internet. Wie dieser Fall beweist, kann keiner nachweisen, wie die Tiere gehalten und behandelt wurden. Viele Lebewesen leiden auch bei deutschen Züchter:innen massiv. Wenn Sie ein Tier aufnehmen möchten, besuchen Sie ein Tierheim.
  • Befindet sich ein Tier in Lebensgefahr, rufen Sie die Polizei.
  • Wenn Sie Tierquälerei beobachten, schauen Sie nicht weg! Melden Sie sich bei den zuständigen Behörden. Wichtig: Sammeln Sie Beweise. Über das PETA-Whistleblower­formular können Sie Tierquälerei auch bei uns melden:

* Der Beitrag wird am Samstag, den 21.05.2022 um 18:00 Uhr bei HUNDKATZEMAUS (VOX) ausgestrahlt.