Sind in China Tierversuche für Kosmetik Pflicht? Alle Infos

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In der EU sind Tierversuche für Inhaltsstoffe in Kosmetikprodukten seit 2013 – zumindest eigentlich – verboten. In China waren Tierversuche für Kosmetik dagegen bislang gesetzlich vorgeschrieben. Kosmetikfirmen, die ihr Geschäft in Asien nicht aufgeben wollten, ließen entsprechend weiterhin unnütze Tierversuche zu.

Den aktuellen Stand zu Tierversuchen in China und alle Hintergründe erfahren Sie in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

Sind in China Tierversuche Pflicht?

Die chinesische Regierung hat zum 1. Mai 2021 die Regelungen ihrer Vorgaben für Tierversuche im Kosmetikbereich geändert. Das bedeutet: China ermöglicht es Kosmetikfirmen, Tierversuche für importierte „allgemeine Kosmetika“ (zuvor gelistet als „Non-Special Use“) zu umgehen. Damit können diese Produkte in China vermarktet werden, sofern die Firmen erfolgreich Ausnahmegenehmigungen bezüglich der Tierversuchsvorschrift beantragen. Das betrifft beispielsweise Artikel wie:

  • Shampoo,
  • Duschgel,
  • Körperlotion,
  • Make-up
  • und weitere.

Zudem können Tierversuche für manche Produkte auch umgangen werden, wenn diese nicht importiert, sondern direkt in China produziert werden.

Für viele Produkte hat China die ausnahmslose Tierversuchspflicht also bereits aufgegeben. Zu von PETA als „tierversuchsfrei“ gelisteten Marken, die auch in China verkaufen, gehören beispielsweise Dove und Herbal Essences. Chinas Entscheidung ist ein wichtiger Fortschritt und erspart unzähligen Tieren grausame sowie unnötige Experimente.

  • Details hinter Chinas Kosmetikverordnung

    Im Juni 2020 veröffentlichte der chinesische Staatsrat – nach Verzögerungen durch die Corona-Pandemie – den lang ersehnten finalen Entwurf der Kosmetikverordnung Chinas (Cosmetic Supervision and Regulation, CSAR), welche die völlig veraltete Kosmetikverordnung des Landes ersetzt.

    Der Text verlangte allerdings kein Tierversuchsverbot. Stattdessen wurde eine andere Regierungsbehörde, die National Medical Products Administration (NMPA), aufgefordert, die Details in Sachen Versuchsvorgaben unter dem neuen Gesetz auszuformulieren.

    Am 28. Juli 2020 veröffentlichte die NMPA diesen Entwurf, der einer Reihe von Überarbeitungen unterzogen wurde. Seit Inkrafttreten der neuen Regelungen am 1. Mai 2021 ist es Unternehmen nun möglich, viele importierte Kosmetikprodukte in China ohne Tierversuche zu vermarkten – sofern sie bestimmte Schritte unternehmen und eine Ausnahmegenehmigung erhalten.

Positive Entwicklungen bei Tierversuchen in China nehmen zu

Erst Anfang 2019 hat die chinesische Regierung zwei weitere tierfreie Testmethoden für Kosmetika in China bewilligt. Diesen bedeutsamen Fortschritt verdanken wir der bahnbrechenden Arbeit der Wissenschaftler:innen am Institute for In Vitro Sciences (IIVS).

Bereits 2012 hatte PETA aufgedeckt, dass mehrere zuvor tierversuchsfreie Unternehmen die von der chinesischen Regierung angeordneten Tierversuche klammheimlich akzeptierten. Damals wurden für alle in China verkauften Kosmetika Tierversuche verlangt. PETA USA setzte sich umgehend mit den Expert:innen des IIVS in Verbindung und stellte dem Institut die nötigen Gelder zur Verfügung, damit sie ihre Arbeit in China in Angriff nehmen, chinesische Wissenschaftler:innen ausbilden und die Behörden über moderne tierfreie Forschungsmethoden informieren konnten.

Seit PETAs Enthüllung und der wissenschaftlichen Arbeit durch das IIVS und andere Unternehmen beginnt die chinesische Regierung nach und nach, die Ergebnisse aus tierfreien Versuchen zu akzeptieren.

Frau im Kittel im Labor
Mittlerweile akzeptiert die chinesische Regierung auch tierversuchsfreie Testergebnisse.

Gibt es dadurch generell keine Tierversuche für Kosmetik mehr?

Die Verkündung der chinesischen Regierung zur neuen Vorgehensweise bei tierversuchsfreier Kosmetik ist ein großartiger Fortschritt. Aber er bedeutet leider nicht, dass in Zukunft gar keine Tierversuche mehr für Kosmetik stattfinden werden. Die betroffenen Firmen müssen mehrere Schritte unternehmen und für ihre importierten „allgemeinen Kosmetika“ Ausnahmegenehmigungen bezüglich der Tierversuchsvorschrift beantragen.

Hält ein Unternehmen diese Schritte nicht ein oder erhält es die Ausnahmegenehmigung nicht, muss es auch weiterhin Tierversuche für seine Produkte zulassen. Und auch Unternehmen, die sogenannte „special cosmetics“ (ehemals „special use cosmetics“) herstellen, müssen weiterhin Versuche an Tieren zulassen. Als „special cosmetics“ gelten Produkte, die eine gewisse Funktion für sich beanspruchen, beispielsweise:

  • Haarfarben,
  • Dauerwellenprodukte,
  • Produkte, um Sommersprossen zu entfernen,
  • Whitening-Produkte,
  • Sonnencreme,
  • Antihaarausfallprodukte
  • und Kosmetika, die eine neue Wirksamkeit für sich beanspruchen.

Insgesamt ist die Fertigstellung der Tierversuchsvorgaben unter der Cosmetic Supervision and Regulation also ein wichtiger Meilenstein – doch in Versuchen missbrauchte Tiere brauchen noch immer dringend Ihre Hilfe.

Gif Wissenschaft statt Tierversuche

Welche Kosmetikhersteller machen keine Tierversuche?

Kein Tier sollte jemals für ein Konsumprodukt vergiftet oder verstümmelt werden. Indem Sie tierversuchsfreie Produkte kaufen, ersparen Sie Kaninchen, Meerschweinchen, Mäusen, Ratten und anderen Tieren Leid und Tod im Labor.

Sie möchten wissen, welche Produkte wirklich tierversuchsfrei sind? PETAs Liste für tierversuchsfreie Produkte enthält mehr als 900 Unternehmen und Marken, die keine Tierversuche durchführen, beauftragen oder anderweitig zulassen – egal, in welchem Land.