Fliegende Pralinenschachteln, angetrunkene Menschenmassen und enormer Lärm – für Pferde ist ein Einsatz bei Karnevalsumzügen purer Stress. Damit sie die hohe Belastung überhaupt aushalten, werden viele von ihnen mit Betäubungsmitteln sediert. [1, 2] Andere werden mit Gewalt durch die Gassen gezerrt. Die Unfallgefahr ist immens hoch, weil Pferde Fluchttiere und sehr schreckhaft sind. Immer wieder kommt es zu dramatischen Unfällen, bei denen Menschen und Tiere zu Schaden kommen.

Obwohl der Tiermissbrauch offensichtlich ist, brauchen die lobbystarken Karnevalsvereine weder Politik noch Behörden fürchten. Selbst kranke Tiere werden entgegen der selbst aufgestellten Regeln durch viele Stunden andauernden Trubel getrieben. In Köln brach 2017 die 19-jährige Querida mitten während des Umzugs zusammen, obwohl bekannt war, dass sie an „Schale“ litt. Dabei handelt es sich um eine chronische Knochen- und Gelenkerkrankung, bei der die Sturzgefahr mit zunehmender Belastung steigt.
Umfragen zeigen: Pferde im Karneval sind nicht mehr zeitgemäß
Anfang Februar 2025 wurde eine von uns beauftragte repräsentative INSA-Meinungsumfrage unter 1.000 Bürger:innen aus Nordrhein-Westfalen (NRW) durchgeführt. [3] Das Ergebnis:
- 70 % der Befragten befürworten ein Verbot von Pferden bei Karnevalsumzügen.
- 20 % lehnen ein Verbot ab.
Noch im Jahr 2018 ergab eine repräsentative INSA-Meinungsumfrage, [4] dass sich mit 47 % nur eine knappe Mehrheit der Bürger:innen in NRW für ein Verbot von Pferden bei Karnevalsumzügen aussprach, während 45 % der Befragten damals keine Bedenken äußerten.
Wir von PETA Deutschland haben die für Tierschutz in NRW zuständige Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Silke Gorißen, sowie die Lokalpolitik in Karnevalshochburgen wie Köln Mitte Februar in einem Schreiben über das Ergebnis der Umfrage informiert und dazu aufgefordert, den Einsatz von Pferden bei den Umzügen ab 2026 zu untersagen. Denn beim Karneval in Nordrhein-Westfalen werden jährlich Hunderte Pferde bei verschiedenen Rosenmontagszügen zur Teilnahme gezwungen.
„Der sich bei jedem Umzug wiederholende Anblick von gestressten Pferden und der schwere Kutschunfall 2018 in Köln dürften zu dem Stimmungsumschwung beigetragen haben“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wir erwarten von der Politik und den Karnevalsgesellschaften ein Umdenken. Niemand kann mehr abstreiten, dass die meisten Menschen den jährlichen Pferdemissbrauch ablehnen.“
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Details zum Umfrageergebnis
Laut der von uns beauftragten Umfrage sind mit 78 Prozent besonders viele Frauen für den Ausschluss von Pferden bei Karnevalsumzügen, aber auch 61 Prozent der Männer. Hinsichtlich der Parteipräferenz der Befragten positionieren sich vor allem CDU- (28 Prozent) und FDP-Anhänger:innen (26 Prozent) gegen ein Verbot, während ein hoher Anteil der Anhänger:innen der Grünen (83 Prozent) und des Bündnis Sahra Wagenknecht (82 Prozent) dafür ist. Die Kommunalpolitik in Köln, Düsseldorf und Aachen wurde über das Ergebnis informiert.
Strafanzeigen wegen Tierleid beim Rosenmontagszug 2024
Netzwerk für Tiere Köln und PETA veröffentlichen Videos und fordern pferdefreien Umzug
Über 200 Pferde wurden am 12. Februar 2024 beim Rosenmontagszug in Köln gezwungen, inmitten von feiernden Menschenmassen und lauter Musik mehrere Stunden quer durch die Kölner Innenstadt zu laufen. Das Netzwerk für Tiere Köln (NTK) machte an mehreren Punkten entlang des Karnevalsumzugs Videoaufnahmen, die das erhebliche und längere andauernde Leid der völlig gestressten Tiere dokumentieren.
Das Netzwerk für Tiere Köln hat Anfang November 2024 Strafanzeigen gegen neun beteiligte Karnevalsgesellschaften wegen Tierquälerei bei der Staatsanwaltschaft Köln erstattet. Darunter sind die Roten sowie Blauen Funken, die Altstädter und die Prinzengarde. Auf den Aufnahmen sind bei mindestens 32 Pferden Anzeichen für erhebliches Leid und Schmerzen zu sehen, die von den Verantwortlichen missachtet wurden.
„Leider gehen die Verantwortlichen für ein vermeintliches Vergnügen weiterhin erbarmungslos mit den Pferden um. Die Tiere werden dabei so enormem Leid ausgesetzt, dass sich nun die Justiz mit der Tierquälerei beschäftigen muss.“
Peter Höffken, Fachreferent bei PETA Deutschland
Wir von PETA Deutschland kritisieren zusammen mit dem Netzwerk für Tiere Köln auch die Behörden, die nicht verhindert haben, dass Pferde beispielsweise in unmittelbarer Nähe zu lauten Kapellen mitliefen. Gemeinsam fordern wir Oberbürgermeisterin Henriette Reker und die Fraktionen im Stadtrat auf, endlich einen Beschluss für pferdefreie Karnevalsumzüge auf den Weg zu bringen.
Fachleute bestätigen Tiermissbrauch beim Rosenmontagszug
Wir haben zwei namhafte Pferdeexperten gebeten, ihre Einschätzungen zu dem Pferdeeinsatz abzugeben:
- Der Fachbuchautor und Experte für hippologische Fachfragen Ingolf Bender kam im Mai in einer neunseitigen Stellungnahme über Pferde in Karnevalsumzügen zu dem Schluss, dass die „Nutzung von Pferden in Karnevals-Umzügen vor allem aus Tierschutzgründen in Verbindung mit der Gefahrenabwehr für Menschen kompromisslos abzulehnen“ sei und dass „Motive wie Tradition und ‚Volksbelustigung‘ […] niemals als vernünftige Gründe gelten [können], die es rechtfertigen würden, Tierleid zu akzeptieren.“
- Im Juni 2024 analysierte der Fachtierarzt für Pferde und Buchautor Dr. med. vet. Maximilian Pick ein 27-minütiges Video vom Rosenmontagszug 2024. In seiner Stellungnahme kam er zu dem Ergebnis, dass das Verhalten einiger Pferde als Ausdruck von Angst zu verstehen ist und „Angst […] zu einem erheblichen Leiden der Pferde“ führt, was als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zu sehen sei.
Keine Pferde mehr im Bonner Karneval ab 2022
Ende Mai 2021 beschloss das Präsidium des Festausschusses des Bonner Karnevals, dass ab 2022 keine Pferde mehr beim Rosenmontagszug mitlaufen werden. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass beim Einsatz von Karnevalsumzügen das Wohl der Tiere sowie die Sicherheit für Menschen nicht gewährleistet werden können. [4]
„Der Bonner Festausschuss hat eine kluge Entscheidung getroffen, denn Sicherheit und Tierwohl sind viel wichtiger als ein vermeintliches Vergnügen. Weder für die Pferde noch für die meisten Menschen ist der Pferdeeinsatz bei Karnevalsumzügen ein Spaß. Die Tiere leiden durch den Stress unter erheblichen Qualen – immer mehr Menschen stößt der Einsatz von Pferden bitter auf.“
Peter Höffken, PETA Deutschland
Wir von PETA Deutschland fordern, dass auch Städte wie Köln und Düsseldorf nachziehen und endlich Pferde im Karneval verbieten. Wir appellieren an den Kölner Festkomitee-Präsidenten Christoph Kuckelkorn, veraltete Denkmuster über Bord zu werfen und einen Rosenmontagszug zu ermöglichen, bei dem kein Mensch und kein Tier leiden oder um sein Wohlergehen fürchten muss.
Neue Regeln für den Einsatz im Karneval in NRW: „Ungeeignet, Tierleid und Unfallrisiken zu verhindern“
Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen hat überarbeitete Leitlinien für den Einsatz von Pferden bei Karnevalsumzügen veröffentlicht. Statt Pferde im Karneval zu verbieten, dürfen Pferde unter „strengeren“ Bedingungen weiterhin eingesetzt werden: So soll es unter anderem die Möglichkeit geben, die Tiere an mehreren Punkten der Strecke aus dem laufenden Zug zu nehmen. Zudem soll gewährleistet werden, dass Pferden innerhalb von zehn Minuten eine tierärztliche Betreuung zukommt. Nach Möglichkeit sollen die Pferde am Anfang oder Ende des Zugs und nicht in der Nähe einer Musikkapelle positioniert werden. [5]
„Ministerin Heinen-Esser hat versäumt, der Tierquälerei bei Karnevalsumzügen ein Ende zu setzen. Die überarbeiteten Leitlinien verhindern nicht, dass Pferde gezwungen werden, viele Stunden lang zwischen Tausenden – teils alkoholisierten – Feiernden, fliegenden Pralinenschachteln und lauter Musik auszuharren. Für die Fluchttiere bedeutet dieser Dauerstress enormes Leid. Die Reitenden kontrollieren die Tiere oft gewaltsam mit scharfen Gebissen im Mund – doch mehrere Fälle von durchgehenden Pferden bei Umzügen haben gezeigt, dass sie ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr kontrollierbar sind.“
Peter Höffken, PETA Deutschland
Völlig unverständlich ist, dass laut den Leitlinien das Verbot von Doping- und Beruhigungsmitteln nur stichprobenartig kontrolliert werden soll, obwohl es in den vergangenen Jahren immer wieder positive Befunde gab. Auch die jährlich vorgeschriebene „Gelassenheitsprüfung“ vor den Umzügen ist nicht mit dem Tierschutz vereinbar, weil die Tiere dort so lange Stressreizen ausgesetzt werden, bis ihre natürlichen Instinkte unterdrückt sind. Ein weiterer großer Kritikpunkt an den neuen Richtlinien ist, dass weiterhin die besonders gefährlichen Kutschen erlaubt bleiben.
Pferde gehören auf eine grüne Wiese und nicht mitten in den Karnevalstrubel. Wir von PETA Deutschland fordern die Landesregierung Nordrhein-Westfalens auf, sich für das Wohl der Tiere einzusetzen und ihre Einsätze auf Umzügen zu untersagen.
„Desensibilisierung“ – tierquälerische Trainingsmethode
Ebenfalls zu kritisieren sind die tierschutzwidrigen Trainingsmethoden, mit denen die Tiere im Vorfeld „desensibilisiert“ werden. Dazu werden die Pferde regelmäßig mit lauter Musik beschallt oder durch Knallgeräusche erschreckt. Scharfe Gebisse kommen ebenfalls zum Einsatz, um die Pferde mit Schmerzen kontrollieren zu können.
Wie Pferde leben wollen
Pferde sind sehr sensible und soziale Lauftiere, die in einer Herde leben möchten. Sie benötigen neben ausreichend Auslauf – vorzugsweise in einer Aktiv- oder Offenstallhaltung – auch gutes Futter und stets frisches Wasser, Pflege und medizinische Versorgung. Ein Pferd kann in guter Haltung 35 Lebensjahre und mehr erreichen.

Wie Sie den Pferden helfen können
In mehreren Städten sind Pferde bei Karnevalsumzügen aufgrund einschlägiger Erfahrungen verboten oder nur mit Einschränkungen erlaubt. Nach einem Beschluss des Festausschusses Bonner Karneval laufen beim Bonner Rosenmontagszug ab 2022 keine Pferde mehr mit.
Bitte appellieren Sie höflich an die Oberbürgermeisterin der Stadt Köln, auch in der Karnevalshochburg Pferde bei Umzügen künftig nicht mehr zuzulassen.
Frau Henriette Reker: oberbuergermeisterin@stadt-koeln.de
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Quellen
[1] Bonner General-Anzeiger (17.02.2017): Tierärzte verweigern Betreuung der Pferde, www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Tier%C3%A4rzte-verweigern-Betreuung-der-Pferde-article3477298.html (eingesehen am 18.02.2025)
[2] Kölner Stadtanzeiger (18.06.2017): Queridas Sturz befeuert Debatte um Tierquälerei – auch Vorfälle in der Region, https://www.ksta.de/koeln/karneval-in-koeln/rosenmontagszug-in-koeln-queridas-kollaps-befeuert-debatte-um-pferde-im-karneval-273735 (eingesehen am 18.02.2025)
[3] Online-Befragung (2025): Umfrage. Pferde Karneval, https://presseportal.peta.de/wp-content/uploads/2025/02/Umfrage_Pferde_Karneval_NRW_2025.pdf (eingesehen am 18.02.2025)
[4] Online-Befragung (2018): Pferde bei Karnevalsumzügen, https://www.peta.de/wp-content/uploads/2020/11/Umfrage_Pferde_Karneval_02.2018.pdf (eingesehen am 18.02.2025)
[4] Bonner General-Anzeiger (2021): Pferde bleiben ab Rosenmontag 2022 im Stall, https://ga.de/bonn/stadt-bonn/festausschuss-bonner-karneval-pferde-bleiben-rosenmontag-2022-im-stall_aid-58675407 (eingesehen am 18.02.2025)
[5] Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft (2021): Einsatz von Pferden in Karnevalsumzügen, https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV17-6247.pdf (eingesehen am 13.01.2022)